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NEMO - Si Partie II

 

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JP Louveton stand vor der sicherlich nicht leichten Aufgabe, nach einem Meisterwerk einen würdigen Nachfolger zu kreieren, der dazu noch der zweite Teil eines Konzepts sein sollte... dafür ging das mit "Si Partie II" sogar noch erstaunlich schnell. Und JP Louveton tritt sozusagen die Flucht nach vorne an. Nachdem Nemo vor allem auf den letzten beiden Studioalben mit den Prog-Klischees nur so gespielt hatten und diese auf respektlose Weise zu einem neuen Sound verwurstet hatten, gehen sie diesmal geradezu konventionell vor... aber siehe da: Es funktioniert erneut! Bei den letzten beiden Outputs der Franzosen - und das gilt insbesondere für "Si Partie I" – stand NeoProg nun wirklich nicht mehr im Zentrum des musikalischen Universums... das muss man angesichts von "Si Partie II" fast wieder in Richtung "stand" korrigieren. Louveton (und Keyboarder Fontaine, der zumindest an der Geschichte mitgewirkt hat und auch den einen oder anderen Song mitkomponiert hat) kreiert eine nicht ganz einstündige Suite, deren Einzelsongs so elegant ineinander übergehen, dass man sie gar nicht wahr nimmt. Dennoch können die längeren Titel und natürlich auch das fetzige "Les enfants rois" (welches ja vorab als Single veröffentlicht wurde bzw. werden sollte, siehe meine Rezi ebenda) auch einzeln bestehen und sind auch einzeln anwählbar, wenn man mal nicht das ganze Album hören will. Es ist aber empfehlenswert, sich immer für das gesamte Werk Zeit zu nehmen, denn so wirkt es halt einfach besser.

Nachdem sanft von "Si Partie I" übergeblendet wird (man hört die verklingenden Gitarren vom Ende des Albums, damit erklärt sich auch das etwas abrupte Ende von Teil 1), beginnt nach einer Barszene mit "Les enfants rois" der zweite Teil. Die 'Königskinder' - ein typischer Nemo-Fetzer - könnten so allerdings auch im ersten Teil beheimatet sein... ein floydiger Beginn von "Meme peau, meme destin" leitet in den wirklichen zweiten Part über, der sehr viel ruhiger, atmospärischer, symphonischer, chansonhafter (im Sinne von erzählerischer) daherkommt. Vielleicht sind sie damit so nah an Louvetons Vorbild Ange dran, wie noch nie. Louveton bedient sich nicht selten bluesigen Gitarrenthemen und schwelgt darüberhinaus in seiner Vorliebe für 70er Jahre HardRock (Ritchie Blackmore ist ein großes Vorbild von ihm). Daher gibt es auch kaum noch metallisches Geriffe, sehr wohl aber den einen oder anderen heftigen Gitarrenpart. Keyboarder Fontaine weiß den so gewonnenen Raum geschmackvoll zu nutzen und setzt geschickt seine Akzente mit überwiegend 'echt' klingenden Tasteninstrumenten, wenig Dudidu-Plastik-Klänge hier. Die Herren Itier und Guichard legen wie immer einen soliden Rhythmusteppich, auf dem sich die Musik entwickeln kann. Kleine jazzige Ausflüge, gerade von Fontaine mit seinen Keys, und Gimmicks wie flamencoartige Einlagen sorgen für die notwendige Auflockerung, damit aus Emotionalität und Atmosphäre nicht plötzlich Kitsch und Langeweile wird.

Ein neues Meisterwerk ist es vielleicht nicht, aber ein Album von ganz eigenem Charme, welches Nemo hier vorlegen. Damit dürfte sich die Geschichte dieser außergewöhnlichen Band fortsetzen (wenn das mit dem kommerziellen Erfolg auch klappt, die Anzahl der Vorbesteller (in Nemo-Tradition wieder alle im Booklet verewigt) war eher überschaubar...) und man darf gespannt sein, wie. Bis dahin genießen wir noch ein paar Mal dieses gelungene Sequel.

Tracklist:
01. Introduction À La Différence 02. Les Enfants Rois 03. Même Peau, Même Destin 04. L'homme Idéal (1) 05. Reflets 06. Décadanse 07. Une Question De Prix 08. Une Question De Temps 09. L'homme Idéal (2) 10. Les Visages Du Monde

 


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