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INVERTIGO - Veritas

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Der nächste Hammer aus der Prog-Edelschmiede Progressive Promotion Records um Oliver Wenzler nennt sich INVERTIGO und bringt, wie nicht anders zu erwarten war, wieder Progrock/Metal der allerobersten Güteklasse. Wie schon bei FLAMING ROW und bei SEVEN STEPS TO THE GREEN DOOR werden auch hier wieder unzählige Details eingebaut, ohne das Album überladen wirken zu lassen. 
Im Gegensatz zu den beiden oben genannten Bands ist hier - zumindest anfangs - der Einstieg leichter, da es sich nicht um ein reines Konzeptalbum handelt sondern um eine lose Ansammlung von Songs die über das Thema "Truth" (Veritas) fabulieren. Auch ist der Einstieg musikalisch etwas leichter. Der erste Song ist mit schönen Melodien und feiner Instrumentierung sehr gelungen und führt uns, in die Welt von INVERTIGO ein. Schon anfangs fällt die starke Gesangsleistung von Sebastian Brennert auf, der mit seinem charmanten deutschen Akzent dem Gesungenen noch eine zusätzliche Note gibt. Natürlich sind wir hier auf Progressive Promotion Records und die Taktspielchen beginnen auch in einem beinahe "einfachen" Song wie „Darkness“. Schön, wie man das Album auf zweierlei Arten hören kann, einfach nur die Songs genießen (besonders den Chorus), oder sich mit den Spielereien der Musiker beschäftigen. "Lullaby", die Nummero Due des Albums beginnt doch tatsächlich mit einem Gute-Nacht-Lied, "Lullaby" eben und startet dann doch tatsächlich etwas metallischer durch. Darüber liegt eine Keyboardmelodie. Auch hier wieder hervorzuheben, die Stimme von Sebastian, der locker über spärlich instrumentierten Stellen den eigentlichen Song trägt und für die ganz große Melodie sorgt. Modern Melodic Prog-Rock wird selbiges im Flyer des Labels betitelt. Und genau das ist es! 
"Waves" beginnt mit kleinen Beckenspielchen am Schlagzeug. Schön langsam baut sich der Song auf und ist für mich eines der Highlights des Albums. Eine ungemein dichte Atmosphäre. Ein in der Strophe mäanderndes Lied, welches im Refrain seine Bestimmung findet. Hier stimmt einfach alles. Sehr getragen, elegisch, zurückgezogen beinahe die Instrumente. Alles hat seinen Platz und wird selbst im Instrumentalteil des Songs nicht aufdringlich oder zur reinen Angabe. Ein solches Lied schreibt man wahrscheinlich genau einmal im Leben...
"Dr. Ho" ist ein Lied über Haarausfall, Glatzenbildung bei Männern... Nein, kein Scherz. Der Song ist der zugänglichste und zugleich witzigste des Albums. Auf die Idee ist wohl noch niemand gekommen. Quasi das "Dr. Stein" dieses Albums. Hat irgend etwas von Vaudeville.
Dreizehneinhalb Minuten Lang ist der erste Monolith des Albums, "Suspicion" betitelt. Auch hier schon große Melodien am Anfang, zur Akustikgitarre. Die Herrschaften schreiben Songs für die Ewigkeit - und ich übertreibe hier beim besten Willen nicht! Der schön proggige Teil der darauf folgt, sollte für jeden Musiker und Progrockfreund etwas haben. Hat auch ein wenig von den 70er Jahren, ohne die Nervensägerei eines YES-Albums aus dieser Zeit. Ein schön treibender, rockiger Part folgt, den selbst die Hammondorgel nicht zerstören kann. Schön und beeindruckend auch wieder das Grundthema des Songs ("All I See Is Lies...") welches mit einer wunderbaren Melancholie aufwartet. Im letzten Drittel zeigt man natürlich auch, was man auf den Instrumenten kann, aber, es ist ja schließlich ein Prog-Album (heute ist scheinbar Tag der Offensichtlichkeit)
"Truth"- ein schönes Instrumental mit polyrhythmischen Einlagen und Samples von Politikern, die mit dem Titel des Songs nicht viel am Hut haben, Clinton, Merkel, Ulbricht, George W. Bush und ähnliche Lügner. Damit wäre die Platte zu Ende, gäbe es nicht noch den Bonustrack "Memoirs Of A Mayfly" in der bescheidenen Längen von 21:50 Minuten. Es geht um das Leben der Eintagsfliege, zu Englisch: Mayfly.

Mayflies have attracted the attention of man for a long time. These tiny little insects which emerge from lakes or streams lead a life which is best known for its notorious shortness. Some people might wonder what it must be like, being a mayfly. Well, let us take a closer look. These are the memoirs of a mayfly.

Als Gastmusiker wurden Marek Arnold (Saxofon) und Julia Gorzelanczyk (Gesang) eingeflogen und das Lied hat es in sich. Alleine auf die Idee für den Text zu kommen ist schon jede Höchstnote wert, die Umsetzung dann sowieso. Keine Sekunde dieses Monsterwerkes ist langweilig, fehl am Platz oder unnötig. Mir fehlen die Worte! Hört euch das Lied an - hört euch jedes Lied an. Das ist jetzt für mich die dritte Platte die ich aus dem Hause PPR reviewen darf, und zum dritten Mal bleibt mir nichts anderes übrig, als die Höchstnote zu zücken. Ich bin schon gespannt, was als nächstes auf diesem Label erscheint! Kaufen! Review: Christian Wiederwald (Stormbringer AT)

 

Tracklist:

01. Darkness 8:27 02. Lullaby 5:58 03. Waves 7:48 04. Dr. Ho 7:31 05. Suspicion 13:38 06. Truth 4:37 07. Memoirs Of A Mayfly 21:50

 

 

 


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